Nachlass und Briefwechsel (1709–1762) der Brüder Pez zählen zu den bedeutendsten Quellen zur süddeutsch-österreichischen Gelehrsamkeitsgeschichte in der Phase zwischen späthumanistischer katholischer Reform und „katholischer Aufklärung“. Das darin greifbare Netzwerk an Gelehrten und Ordensgeistlichen war Träger einer heute sowohl in der Wissenschaft als auch im öffentlichen Bewusstsein weitgehend vergessenen geistigen Kultur, deren Selbstverständnis noch in mittelalterlichen Kategorien wurzelte und die – gesellschafts- wie geistesgeschichtlich – im Laufe des 18. Jahrhunderts durch den Prozess der „Aufklärung“ überformt wurde.

Rund 1000 Briefe an die Brüder Pez sind in Melk erhalten und werden im Rahmen des START-Projekts für die Edition vorbereitet. Dabei soll auch das Internet zur Bekanntmachung von einschlägigen Texten (Original und Übersetzung) sowie Originaldokumenten (Bücherkataloge aus Klosterbibliotheken) herangezogen werden. Vorrangiges Ziel des Forschungsunternehmens ist die Erarbeitung einer Edition, die aus Text, (deutschen) Regesten, Kommentaren und Indices besteht. Darüber hinaus werden folgende Forschungsanliegen verfolgt:
Eine Aufarbeitung der genuin süddeutsch-österreichischen Entwicklung vor der Durchsetzung der „Aufklärung“ ist im Wesentlichen bis heute nicht geleistet worden, vor allem, weil die Betrachtung bisher mehr Wert auf die teleologische Ausrichtung auf eben diese Aufklärung denn auf das genuin frühneuzeitliche Selbstverständnis der barocken Geisteskultur gelegt hat. Ziel der Pez-Forschung ist somit nicht die „Vorgeschichte der Aufklärung“, sondern eine Betrachtung der meinungsbildenden Strömungen, gelehrten Netzwerke sowie wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten, die gelehrtes Handeln an der Schwelle zu den uns bis heute vertrauten Kategorien von Wissenschaftlichkeit und Öffentlichkeit geprägt haben.
Der Personenkreis der Pez-Korrespondenten bzw. überhaupt jener der gelehrten (benediktinischen) Ordensgeistlichkeit des späten 17. Jahrhunderts ist wenig bis gar nicht bio-bibliographisch erfasst, geschweige denn näher erforscht. Aus diesem Grund war an eine literarische, theologische, philosophische oder historiographiegeschichtliche Aufarbeitung und vergleichenden Würdigung der einzelnen Oeuvres bisher nicht zu denken, und infolgedessen fehlt die süddeutsch-österreichische Geistesgeschichte sowohl in der „Intellectual History“ des 17. und 18. Jahrhunderts, als auch in der kunsthistorisch dominierten Kulturgeschichte des Barock weitgehend. Dem soll durch eine prospopgraphische Erfassung der gelehrten Ordensgeistlichkeit Österreichs und Süddeutschlands auf der Basis gedruckter und ungedruckter Quellen im Rahmen des START-Projekts entgegengewirkt werden.
Im Nachlass der Brüder Pez finden sich zahlreiche Bibliothekskataloge und Abschriften aus mittelalterlichen Handschriften, die im Original heute verloren sind. Auf der Projekt-Homepage sollen diese Quellen, ebenso ausgewählte Texte von Pez und seinen Korrespondenten sowie Findbehelfe und Literatur, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Projekt wird am Institut für Österreichische Geschichtsforschung unter der Leitung von Dr. Thomas Wallnig durchgeführt. Die Laufzeit beginnt am 1. April 2008 und endet am 30. Juni 2014.

Projekthomepage: http://www.univie.ac.at/monastische_aufklaerung