Marlene Kurz-Martin Scheutz-Karl Vocelka-Thomas Winkelbauer (Hg.)

Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie in der Neuzeit

Akten des internationalen Kongresses zum 150-jährigen Bestehen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Wien, 22.–25. September 2004

(Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 48)
2005, 650 S.
24 x 17 cm, Gb.
Preis: € 69.80
978-3-486-57861-4 (D), 978-3-7029-0488-3 (A)

Der Kulturtransfer und die Interaktion zwischen diesen „ewigen“ Kontrahenten vom 16.–20. Jahrhundert stehen im Mittelpunkt dieses Sammelbandes. Neben den in der Auseinandersetzung entwickelten Identitätskonstruktionen und Propagandastereotypen werden die Kontakte und Konflikte, etwa am Beispiel des Kultusprotektorates, ausführlich behandelt. Der Schwerpunkt des Bandes liegt einerseits auf dem Gesandtschaftswesen und andererseits auf den insgesamt noch wenig erforschten Berichten der „Orientreisenden“. Auch die vermittelnden Dolmetscher/Dragomane werden stärker in den Blick genommen.

Inhalt:


(1) Kontakte und Konflikte

  • Holger Th. GRÄF, „Erbfeind der Christenheit“ oder potentieller Bündnispartner? Das Osmanenreich im europäischen Mächtesystem des 16. und 17. Jahrhunderts – gegenwartspolitisch betrachtet
  • Marlene KURZ, Österreich in der osmanischen Historiographie
  • Claire NORTON, „The Lutheran is the Turks’ luck“: Imagining Religious Identity, Alliance and Conflict on the Habsburg-Ottoman Marches in an Account of the Sieges of Nagykanizsa 1600 and 1601.
  • Antal András DEÁK, Wie es wirklich war. Die Geschichte der Grenzabmarkung nach dem Friedensvertrag von Karlovic
  • Andrea PÜHRINGER, „Christen contra Heiden?“ – Die Darstellung von Gewalt in den Türkenkriegen
  • Barbara HAIDER-WILSON, Zum Kultusprotektorat der Habsburgermonarchie im Osmanischen Reich – von den Rechtsgrundlagen und seiner Instrumentalisierung im 19. Jahrhundert (unter besonderer Berücksichtigung Jerusalems)
  • Arno STROHMEYER, Das Osmanische Reich – ein Teil des europäischen Staatensystems der Frühen Neuzeit?

(2) Türkenbilder und Türkenpropaganda

  • Franz BOSBACH, Imperium Turcorum oder Christianorum Monarchia – Die Osmanen in der heilsgeschichtlichen Deutung Mercurino Gattinaras
  • Antje NIEDERBERGER, Das Bild der Türken im deutschen Humanismus am Beispiel der Werke Sebastian Brants (1456–1521)
  • Jan Paul NIEDERKORN, Argumentationsstrategien für Bündnisse gegen die Osmanen in Gesandtenberichten
  • Christine GIGLER, Gaistliche Kriegsrüstung. Die Türkenpredigten des Gurker Bischofs Urban Sagstetter (1566/67)
  • Iskra SCHWARCZ, Konfliktverhältnisse auf dem Balkan und die kaiserliche Propaganda in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts

(3) Gesandte und Gesandtschaftswesen

  • Ralf C. MÜLLER, „Der umworbene „Erbfeind“: Habsburgische Diplomatie an der Hohen Pforte vom Regierungsantritt Maximilians I. bis zum „Langen Türkenkrieg“ – ein Entwurf
  • Bart SEVERI, Representation and Self-Consciousness in 16th Century Habsburg Diplomacy in the Ottoman Empire
  • Harriet RUDOLPH, Türkische Gesandtschaften ins Reich am Beginn der Neuzeit – Herrschaftsinszenierung, Fremdheitserfahrung und Erinnerungskultur am Beispiel der Gesandtschaft von Ibrahim Bey in Frankfurt am Main 1562
  • Christoph AUGUSTYNOWICZ, Tatarische Gesandtschaften am Kaiserhof des 17. Jahrhunderts – Protokoll und Alltag
  • Mounir FENDRI, Die Habsburgermonarchie und die „Barbaresken“. Die Gesandtschaft des Jussuf Khodscha in Wien (1732/33) als Nachspiel des ersten österreichisch-tunesischen Friedensvertrages von 1725

(4) Reiseberichte

  • Hemma STAGL, Das Leben der nichtmuslimischen Bevölkerung im Osmanischen Reich im Spiegel von Reisebeschreibungen
  • Pervin TONGAY, Die europäische Sicht auf den Fremden in den Berichten des 16. Jahrhunderts. Das Bild der Türken und Azteken im Vergleich
  • Christof JEGGLE, Die fremde Welt des Feindes? Hans Dernschwams Bericht einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien 1553–1556
  • Almut BUES, die umschnupferten unsere wagen – Alltagskontakte des Handelsgesellen Martin Gruneweg im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident
  • Michael GREIL, den ohne grosse gedult ist nit müglich, durch die Turggey zu kommen. Die Beschreibung der rayß (1587–1591) des Hans Christoph Freiherr von Teufel
  • Hans-Peter LAQUEUR, Das Osmanische Reich und seine Bewohner aus der Sicht eines Südtiroler Bäckermeisters 1851–1852

(5) Dolmetscher und Dragomane

  • Alexander H. DE GROOT, Die Dragomane 1700–1869. Zum Verlust ihrer interkulturellen Funktion
  • Ernst Dieter PETRITSCH, Erziehung in guten Sitten, Andacht und Gehorsam. Die 1754 gegründete Orientalische Akademie in Wien
  • Michaela WOLF, „Diplomatenlehrbuben“ oder angehende „Dragomane“? Zur Rekonstruktion des sozialen „Dolmetschfeldes“ in der Habsburgermonarchie
  • Sibylle WENTKER, Hammer-Purgstall als Homo Politicus im Spiegel seiner Erinnerungen aus meinem Leben
  • Thomas WALLNIG, Die Geschichtsforschung der uomini mediocri: Pietro Bettìo und Francesco Rossi im Lichte ihres Briefwechsels mit Josef von Hammer-Purgstall

(6) Südosteuropa, die Habsburger und die Osmanen

  • Ivan PARVEV, „Du, glückliches Österreich, verhandle […]“. Militär versus Diplomatie in der habsburgischen Südosteuropa-Politik, 1739–1878
  • Natasa STEFANEC, Demographic Changes on the Habsburg-Ottoman Border in Slavonia (c. 1570–1640)
  • Stefan SPEVAK, Unde potentia Turcorum pulsi, bonis universis amissis [...] – Die Migration der Familie de Vuko et Branko aus dem Osmanischen Reich nach Ungarn (1688–1828)
  • Isa BLUMI, Austrian Strategies in Ottoman Albania: The School and the Fall of Sectarian Politics
  • Wladimir FISCHER, „Schlafend träumte ich, dass ich […] Pluderhosen anhätte“. Dositej Obradovic und die serbische Geistesgeschichte als Créolité
  • Miranda JAKISA, Literatur als Archiv und Ort des Kulturtransfers: Die Habsburgermonarchie und die Osmanen bei Ivo Andric