Susanne Fritsch

Das Refektorium im Jahreskreis

Norm und Praxis des Essens in Klöstern des 14. Jahrhunderts

(Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 53)

2008, 178 S.
24 x 17 cm, Br.
Preis: € 24.80
Böhlau
ISBN: 978-3-486-58569-8 (D), 978-3-7029-0560-6 (A)

Beim Anblick von klösterlichen Küchenrechnungen verfliegt rasch jede Romantik, falls eine solche beim Thema Alltagsgeschichte aufkommen sollte. Das Lesen ist mühsam und das Verständnis nicht zuletzt durch zahlreiche ungewohnte Wörter erschwert. Viel an hilfswissenschaftlicher Kleinarbeit war notwendig, um sie zu erschließen. Es sind zwar nicht viele vergleichbare Quellen erhalten, aber zum Glück aus ganz verschiedenen Kulturlandschaften, so dass regionale und gewohnheitsmäßige Besonderheiten den Grundprinzipien der Regeln und Normen gegenübergestellt werden können. Man muss zugeben: Das Interesse an dieser Art von Quelle wurde zunächst eher aus einem Nebennutzen geweckt: Am Beginn der Beschäftigung mit Rechnungsbüchern und Essensgeschichte stand, dass in den Klosterneuburger Küchenrechnungen bei der Auflistung der Zukäufe auch die Namen der hohen Gäste im hofnahen Konvent überliefert wurden. Doch ist es ein Verdienst der Autorin, in beharrlicher jahrelanger Arbeit ein Gesamtbild herauszuarbeiten, das im besten Sinn des Wortes Kulturgeschichte präsentiert, interdisziplinär und komparativ, wie sie nun einmal sein muss. So wird an einem im wahrsten Sinne des Wortes vitalen Thema das Ineinander von Wirtschaft und Repräsentation, von Angebot und Nachfrage, aber auch von kirchlicher Norm und alltäglicher Verwirklichung sichtbar. Es ist dem Buch daher zu wünschen, daß sich möglichst viele Historikerinnen und Historiker seiner annehmen, und sei es nur, um en passant den lebensgeschichtlichen Hintergrund ihrer politischen Akteure zu sehen. Dass es aber durch die sorgsame, quellennahe Aufarbeitung ein wertvolles Hilfsmittel für die praktische Arbeit mit mittelalterlichen Texten verschiedenster Art darstellt, wird jede Person rasch begreifen, die nur einen Blick darauf wirft und die Fülle an Informationen zu Wörtern und Sachen wahrnimmt.