Die Fuggerzeitungen. Ein frühneuzeitliches Informationsmedium und seine Erschließung

 

Kommunikation und Medien in der Geschichte stehen in den letzten Jahren in zunehmendem Maße im Fokus der historischen Forschung nicht nur des deutschsprachigen Raumes. Im Spannungsfeld zwischen „privatem“ Briefwechsel und „öffentlichen“ Medien sind zuletzt auch die Anfänge des europäischen Zeitungswesens wieder ins Blickfeld gerückt. Die erste gedruckte Zeitung Europas erschien 1605 in Straßburg, aber schon Jahrzehnte vorher existierten in vielen europäischen Regionen  handgeschriebene „avvisi“ bzw. Zeitungen als kommerzielle Produkte. Ziel des Projektes ist es, einen der europaweit prominentesten Bestände des spezifisch frühneuzeitlichen Informationsmediums „geschriebene Zeitung“ zu nutzen und zugleich der Forschung besser zugänglich zu machen.

Es handelt sich dabei um die sog. Fuggerzeitungen, eine Sammlung geschriebener Zeitungen, die von den Brüdern Octavian Secundus und Philipp Eduard Fugger zusammengestellt wurde. Sie umfasst 16.021 Zeitungen aus den Jahren zwischen 1568 und 1605. Ursprünglich Bestandteil der Fuggerschen Bibliothek, befinden sich die 27 Foliobände, in denen die Zeitungen gesammelt sind, seit 1656 in der kaiserlichen Bibliothek in Wien. Die hier enthaltenen Nachrichten betreffen die gesamte damals bekannte Welt. Sie kamen aus den wichtigsten Handels- und Nachrichtenzentren Europas – die meisten Zeitungen stammen aus Antwerpen, Rom, Venedig und Köln, gefolgt von Lyon, Wien und Prag –, aber auch aus Übersee, aus Indien und dem Nahen Osten.

Dieser Bestand, der in der pressegeschichtlichen, der literaturwissenschaftlichen wie der historischen Forschung immer wieder erwähnt, aber nur selten untersucht worden ist, soll nun unter verschiedenen inhaltlichen Aspekten ausgewertet werden: Einerseits geht es um die Frage, wie handschriftliche Zeitungen zur Kommunikation von Kriegsereignissen sowie höfischer Kultur und Zeremoniell in der sich entwickelnden medialen Öffentlichkeit beigetragen haben. Andererseits soll durch den Vergleich mit der Überlieferung in einer anderen bedeutenden Zeitungssammlung, der der sächsischen Kurfürsten, nach der Einbindung der Fuggerzeitungen in frühneuzeitliche Netzwerke des Nachrichtenaustauschs gefragt werden.

Projektleitung: Univ. Doz. Dr. Katrin Keller katrin.keller@univie.ac.at

Aktuelle Informationen und Forschungsergebnisse siehe: fuggerzeitungen.univie.ac.at