Julia Hörmann-Thurn und Taxis

Angepasst oder selbstbestimmt?

Zur Sozial- und Kulturgeschichte spätmittelalterlicher Fürstinnen im Herzogtum Österreich und in der Grafschaft Tirol im 13. und 14. Jahrhundert

 

(Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
Ergänzungsband 67)

 

2023, 788 S.
 24 x 17 cm, Gb.
Preis: € 120.00
ISBN 978-3-205-21728-2

Das Buch schließt eine Lücke in der mediävistischen Frauenforschung, die die soziale Gruppe „Fürstin“ lange nicht als Kollektiv begriffen hat. Zwar sind einige Einzelstudien erschienen, die entweder biographisch oder mit thematischen Zugängen ausgewählte Fürstinnen erfasst haben, eine systematische Studie, die anhand einer repräsentativen Auswahl die Lebensumstände und -möglichkeiten von Fürstinnen untersucht, war aber ein Desideratum. Die kollektive Erfassung öffnet neue Zugänge zur Lebenswirklichkeit der sozialen Gruppe „Fürstin“. Anhand von 22 Fürstinnen, die im 13. und 14. Jahrhundert in die Dynastien der Habsburger und der Grafen von Tirol-Görz einheirateten, werden die Interdependenzen von gesellschaftlich definierten Handlungsmustern und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, das Rollenbild der Fürstin, ihre Handlungsspielräume und materiellen Rahmenbedingungen diskutiert.
Die Studie ordnet sich in den großen Forschungsrahmen der Elitenforschung ein und greift mit der Analyse von Lebenssituationen und Wirkmöglichkeiten der sozialen Gruppe „Fürstin“ ein bisher nur marginal untersuchtes Thema auf. Außerdem bereichert sie das thematische Spektrum der spätmittelalterliche Residenzen- und Hofforschung durch eine systematische Untersuchung der Rolle fürstlicher Frauen am Fürstenhof. Sie positioniert sich auch in der mediävistischen Frauen- und Geschlechtergeschichte, die in den letzten Jahren vermehrt auch das Zusammenspiel von Frauen und Männern diverser gesellschaftlicher Schichten dargestellt hat.
Die Konzentration auf die Ehefrauen der im 13. und 14. Jahrhundert regierenden Landesfürsten in den habsburgischen Herzogtümern Österreich, Steiermark und Kärnten (seit 1335) sowie in der Grafschaft Tirol bedeutet auch einen Mehrwert für die einschlägige Regionalforschung, da bisher unbekannte Zusammenhänge und biografische Details zu den ProtagonistInnen und Protagonisten erarbeitet werden konnten.

Inhalt

Vorwort, S. 11
Vorbemerkungen, S. 12
Namen- und Titelführung, S. 12; Bemerkungen zur Gestaltung der Quellenzitate, S. 13

Einleitung

I. Einleitung und Forschungsüberblick, S. 17

1. Fürstinnen als soziale Gruppe – Rollenerwartungen, Rahmenbedingungen, soziale und individuelle Identitäten. Ein Forschungsüberblick, S. 17
Allgemein, S. 17; Fürstinnen – Fragestellungen der Forschung, S. 20; Quellenlage, S. 27

2. Zum Konzept, S. 30
22 Fürstinnen, S. 32

II. Die „neue“ Familie, S. 34

1. Die Grafen von Habsburg, Herzöge von Österreich, Steiermark und Kärnten (seit 1335) etc. – Ein politischer Überblick von den Anfängen bis ca. 1400, S. 34

2. Die Herzöge von Kärnten (1286–1335) und Grafen von Tirol-Görz – Ein politischer Überblick von den Anfängen bis 1363, S. 51

Hauptteil A

III. Herkunftsfamilien – Die europäische Perspektive, S. 63

1. Die Ehefrauen der Herzöge von Österreich, S. 63
Die „Tirolerin“, S. 63; Eine erste Koalition mit Böhmen, S. 64; Frankreich, S. 65; Ein zweiter Versuch in Böhmen, S. 66; Der Süden Europas, S. 68; Die Alpenverbindung, S. 70; Die Königswähler, S. 72; Versuche mit Bayern, S. 73; Wieder nach Böhmen, S. 75; Die Grafschaft Pfirt – Ein Standbein im Westen, S. 77; Der Schwiegersohn des Kaisers, S. 79; Noch einmal die Luxemburger, S. 81; Mailand, S. 82; Die Burggrafen von Nürnberg-Hohenzollern, S. 85

2. Die Ehefrauen der Tiroler Landesfürsten, S. 87
Der Görzer Ehemann 87; Eine staufisch-wittelsbachische Allianz, S. 87; Eine Piastentochter in Tirol, S. 89; Die Könige von Böhmen, S. 90; Eine Welfin als Heiratskandidatin, S. 91; Die Westachse in Savoyen, S. 92; Die Männer der Erbtochter Margarete – Luxemburg und Wittelsbach, S. 93; Die Habsburger Braut, S. 96

IV. „Von der Liebe keine Spur?“ – Eheschließungen als politisches Instrument, S. 98

1. Heiratspolitik – Auch ein kulturhistorisches Phänomen? Der Versuch einer forschungsgeschichtlichen Verortung, S. 98
Tabellen 1–5a, S. 103; Die habsburgischen Ehen, S. 113; Die tirol-görzischen Ehen, S. 116; Zusammenfassung, S. 122

2. Mesalliancen, S. 123
Katharina von Habsburg verwitwete Coucy, verheiratete Hardegg, S. 123; Rixa von Polen und ihre Allianz mit dem mächtigsten Mann in Böhmen, S. 125

3. Gescheiterte „Projekte“ – Zwischen Schicksal und Selbstbestimmung, S. 126

4. Die päpstliche Dispens als wichtiger Faktor in der europäischen Heiratspolitik, S. 130

5. Das Konsensrecht – Eine kirchenrechtliche Fiktion?, S. 133

V. Rund ums Heiraten, S. 137

1. Kindheiten in der Fremde, S. 139

2. Heiratsalter, S. 142

3. Heiratsverhandler, S. 145
Präliminarien, S. 146; Mütter, Verwandte und Freunde als Vermittler und Verhandler, S. 149; Gesandte und Bevollmächtigte, S. 152

4. Hochzeiten – Repräsentation und Prestige, S. 154
Tabelle 6, S. 155; Die Brautfahrt der Isabella von Aragón, S. 158; Weitere Brautfahrten, S. 160; Hochzeitsfeste, S. 163

5. Inszenierungen, S. 168
Heinrich von Kärnten-Tirol und seine Hochzeiten, S. 169; Die zwei Hochzeiten der Margarete von Kärnten-Tirol, S. 173; Beatrix von Nürnberg und Albrecht III. – Eine Hochzeit mit Hindernissen, S. 175; Datierungsprobleme, S. 176

VI. Die dynastisch-familiäre Verantwortung – Kinder, Kinderlosigkeit, Verlust von Kindern, S. 180

1. Zu viele Kinder?, S. 182

2. Kinderlosigkeit, S. 184

3. Kinderzahl und Kindersterblichkeit, S. 185
Tabelle 7, S. 191

Hauptteil B

VII. Mitgift, Widerlage und Morgengabe – Die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Fürstinnen, S. 195

1. Definitionen und rechtlicher Rahmen, S. 195
Interpretationsprobleme, S. 196; Terminologie, S. 199; Zu den Eheverträgen, S. 201; Termine, S. 202; Erbrechtliche Bestimmungen und die Zustimmung der Familie, S. 205; Währungen und Umrechnungen, S. 207

2. Materielle Rahmenbedingungen als Grundlage für Handlungs- und Verhaltensspielräume, S. 209
Das Heiratsgut der Ehefrauen der Herzöge von Österreich, S. 210; Das Heiratsgut der Ehefrauen der Grafen von Tirol-Görz, S. 232; Witwensitze, S. 241

3. Exkurs: Die Wiener Scheffstraße, S. 244

4. Zusammenfassung, S. 246
Tabelle 8, S. 248

VIII. „Nos … Dei gratia ducissa“. Engagement in Verwaltung und Regierung, S. 256

1. Das Potential der Erbtöchter, S. 256
Die Pfirter Erbtochter, S. 257; Die „Tiroler“ Erbtöchter, S. 263; Zusammenfassung, S. 274

2. Ehefrauen, S. 275
Regieren und agieren – Beatrix von Savoyen und ihre Aktivitäten, S. 276; Elisabeth von Tirol-Görz – Die Frau des Königs, S. 280; Zusammenfassung, S. 284

3. Die Witwen, S. 284
Die Witwenenklave der Eufemia von Schlesien, S. 285; Die Witwenzeit der letzten Gräfin von Tirol, S. 288; Die Königinwitwe Elisabeth von Tirol-Görz, S. 289; Die unauffällige Witwe Elisabeth von Virneburg, S. 292; Viridis Visconti und die Einsamkeit von Pristava, S. 293; Die Witwenherrschaften der Beatrix von Nürnberg, S. 297

4. Weibliche Regentschaft und transitorische Verwaltung, S. 298
Die Regentschaften der „Tiroler“ Erbtöchter, S. 299; Weibliche Regentschaften als Regelfall?, S. 305

5. Netzwerke – Die Landesfürstin als Mediatorin, S. 307

6. Fürstinnen im Hintergrund, S. 311

7. Zusammenfassung, S. 313

IX. Titelführung – Ausdruck weiblichen Selbstverständnisses?, S. 316

1. Tiroler Landesfürstinnen, S. 317

2. Die Herzoginnen von Österreich, S. 324

3. Zusammenfassung, S. 335

X. Religiöses Engagement – Eine Domäne der Fürstinnen?, S. 338

1. Klostergründungen als Gradmesser, S. 339
Habsburgische Klostergründungen, S. 339; Tirol-Görzer Klostergründungen, S. 345

2. Subventionen, Legate, Förderungen – Die Herzoginnen von Österreich, S. 350
Der Draht zur Kurie, S. 350; Das Stiftungsverhalten der Herzoginnen von Österreich am Beispiel Elisabeths von Tirol-Görz und Johannas von Pfirt, S. 354; Praktische Frömmigkeit – Beatrix von Nürnberg und Viridis Visconti, S. 357; Frömmigkeitspraxis im Spiegel der Testamente, S. 358; Tabelle 9, S. 363; Weibliches und männliches Stiftungsverhalten in den Testamenten, S. 370

3. Die Stiftungsprofile der Tiroler Landesfürstinnen, S. 375
Stiftungen im Testament Annas von Böhmen, S. 376; Stiftungen als Lebensspuren, S. 377; Eufemia von Schlesien – Stiftungen als Lebensaufgabe, S. 378; Kalkuliertes Desinteresse – Beatrix von Savoyen und Margarete von Kärnten-Tirol, S. 380; Die männliche Stiftungspraxis im Vergleich, S. 382

4. Zusammenfassung und ergänzende Bemerkungen, S. 385

Hauptteil C

XI. Curia Domine – Hofstaat und Hofhaltung, S. 393

1. Allgemeines, S. 393

2. Die Herzoginnen von Österreich, S. 400
Hofmeister (magister curie), S. 400; Hofmeisterin (magistra curie), S. 402; Hofdamen (domicelle), S. 404; Kammermeister und Kämmerer (magister camere, camerarius), S. 408; Marschall (marstallarius), S. 409; Truchsess (dapifer), S. 409; Mundschenk (pincerna), S. 409; Kapläne (capellani) und Beichtväter, S. 410; Kanzler (cancellarius), S. 413; Schreiber (notarii), S. 413; Küchenmeister (magister coquine), S. 414; Speiser (speisarius, dispensator), S. 415; Köche (coci), S. 415; Dienerinnen und Diener, S. 416; Türhüter (ianitores), S. 417; Ammen (nutrices), ErzieherInnen und LehrerInnen, S. 417; Sonstige, S. 419

3. Die Tiroler Landesfürstinnen, S. 421
Hofmeister (magister curie), S. 421; Hofmeisterin (magistra curie), S. 423; Hofdamen (domicelle), S. 424; Kammermeister und Kämmerer (magister camere, camerarius), S. 428; Marschall (marstallarius), S. 429; Truchsess (dapifer), S. 429; Mundschenk (pincerna), S. 429; Kapläne (capellani) und Beichtväter, S. 429; Kanzler (cancellarius), S. 430; Schreiber (notarii), S. 431; Küchenmeister (magister coquine), S. 434; Speiser (speisarius, dispensator), S. 434; Köche (coci), S. 434; Dienerinnen und Diener, S. 435; Türhüter (ianitores), S. 440; Ammen (nutrices), ErzieherInnen und LehrerInnen, S. 440; Sonstige, S. 442

4. Amtleute der Fürstinnen, S. 445

5. Zusammenfassung, S. 448

XII. Soziale und emotionale Bindungen, S. 450

1. Integration und Akzeptanz, S. 451
„Heimkehrer“ und „Dableiber“, S. 451; Sprachprobleme, S. 454; Soziale Bindungen in der familia, S. 456; Geistlicher Beistand, S. 458

2. Familienbande, S. 461
Besuche der Verwandtschaft, S. 462; Schwiegertöchter, Schwäger und Schwägerinnen, Neffen und Nichten, Schwestern und Brüder, S. 465; Tochter und Vater – Isabella von Aragón und Jakob II., S. 469; Die testamentarische Versorgung der Verwandten, S. 471; Mutter-Kind-Verhältnisse, S. 472; Emotionale Reaktionen auf den Tod eines Kindes, S. 475

3. Die Ehepraxis als wichtige Voraussetzung für Lebensführungen und Handlungsmöglichkeiten, S. 477
Gemeinsames Reisen, S. 479; Liebesbeweise?, S. 483; Testamente und Seelgeräte als Quelle, S. 485; Familiengrablegen und „Wunschgrablegen“, S. 489; Tabelle 10, S. 490

4. Zusammenfassung, S. 492

XIII. Alltagsleben und Festkultur – Luxus und Geldnot, S. 495

1. Bevorzugte Wohnorte, S. 496

2. Lebensstandard und Finanzen, S. 499
Engpässe und Zahlungsmodalitäten, S. 499; Einkaufsfahrten und Erwerbungen, S. 502; Kleinodien und Preziosen im persönlichen Besitz, S. 503; Lebensstandard, S. 506

3. Feste, S. 508

4. Zusammenfassung, S. 516

XIV. Der Anteil der Landesfürstinnen am Kunst- und Kulturleben – Die berühmte Frage nach dem Kulturtransfer, S. 517
Zusammenfassung, S. 527

XV. Tod und „Letzter Wille“, S. 528

1. Allgemeines, S. 528

2. Sterbeort und Sterbedatum, S. 530

3. Inhaltlicher Aufbau – Eine Zusammenfassung, S. 534

4. Formaler Aufbau, S. 535

5. Die Fürstentestamente zum Vergleich, S. 538

6. Zusammenfassung, S. 543

XVI. Fazit, S. 545

Anhang I: Liste der Fürstinnen, S. 555

Anhang II: Testamente, S. 561

Abkürzungen, S. 595

Archive und eingesehene Bestände, S. 598

Quellen- und Literaturverzeichnis, S. 603

Gedruckte Quellen, S. 603

Literatur, S. 620

Orts- und Personenregister, S. 727


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